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Titelstory

Stay Connected. Wir bleiben in Verbindung

Zum zweiten Mal startete der Welt-MS-Tag unter Corona-Bedingungen. Die DMSG ist daran gewachsen, begleitet MS-Betroffene auch in schweren Zeiten. Die Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes Prof. Dr. med. Judith Haas zieht eine positive Bilanz und gewährt einen positiven Ausblick in die Zukunft
 

aktiv!: Am 30. Mai hat der Welt-MS-Tag zum 13. Mal zum Engagement für MS-Erkrankte aufgerufen. Warum ist es so wichtig, weltweit einen festen gemeinsamen Tag zu haben, um die Belange von Menschen mit MS in den Fokus zu rücken?

Prof. Haas: Die Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung junger Erwachsener und betrifft weltweit Millionen Menschen, deren Leben von dieser Erkrankung begleitet und beeinflusst wird. Der Welt-MS-Tag hilft überall auf der Welt, auf die Probleme der Menschen mit MS und ihren Familien aufmerksam zu machen und wirbt um Verständnis und Unterstützung für diese Erkrankung.

aktiv!: Welche Fortschritte hat es in den letzten Jahren gegeben im Bereich der Therapie vor allem aber auch hinsichtlich der Aufklärung über die Erkrankung und die Verbesserung der Lebensqualität für MS-Erkrankte?

Prof. Haas: Seit Zulassung der ersten Immuntherapien in den 90ziger Jahren gilt die Multiple Sklerose als behandelbar und gerade in den letzten zehn Jahren haben weitere hochwirksame Immuntherapien den Markt erreicht. Das Wissen um viele Aspekte der Erkrankung, insbesondere auch den Einfluss des Lebensstils und der besonderen Bedarfe der MS Betroffenen hat neben der wirksamen Immuntherapie auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität und Teilhabe geführt.

aktiv!: Welche Fortschritte wünschen Sie sich für die Zukunft?

Prof. Haas: Ich wünsche mir, dass wir nicht nur hochwirksame Medikamente an der Hand haben, die den Verlauf der Erkrankung begünstigen und zumindest vorübergehende langfristig stoppen, sondern auch Therapien gefunden werden, die die Regeneration der MS geschädigten  Nervenbahnen  begünstigen und dass vielleicht in ferner Zukunft doch der Schlüssel zum Startermechanismus der Erkrankung gefunden wird .

aktiv!: Das Motto zum Welt-MS-Tag lautet dieses Jahr „Stay Connected. Wir bleiben in Verbindung“. Wie bleiben Ärzte in Corona-Zeiten in Kontakt mit Ihren Patienten?

Prof. Haas: Gerade in den ersten Monaten der Pandemie war die Angst vor einem Arztbesuch insbesondere bei den Patienten, die aufgrund ihrer Risikofaktoren Covid -19 besonders fürchten mussten, durchaus begründet.  Hier sind viele individuelle Lösungen gefragt gewesen von vorübergehend ausschließlich telefonischer Beratung bis zu Online-Visiten. Das hat erstaunlich gut funktioniert, aber sicher konnten auch viele MS-Betroffene nicht mehr angemessen versorgt werden, da diese Möglichkeiten nicht flächendeckend angeboten wurden.

aktiv!: Seit Beginn der Pandemie geben Sie gemeinsam mit Prof. Ralf Gold, Vorsitzender des Ärztlichen Beirates regelmäßig Empfehlungen zu Covid-19 und MS und zur Corona-Schutzimpfung auf www.dmsg.de. Warum ist diese Impfung aus Ihrer Sicht so wichtig für MS-Erkrankte?

Prof. Haas: MS-Erkrankte müssen einerseits besonders geschützt werden, da Virusinfekte geeignet sind, die Krankheitsaktivität ungünstig zu beeinflussen. Daneben aber haben MS-Erkrankte mit stärkerer körperlicher Behinderung ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf ebenso wie die Patienten unter den Immuntherapien, die die Virusabwehr beeinträchtigen. Aber auch unter dem Aspekt der Lebensqualität ist es ganz besonders wichtig, z. B. für die jungen MS-Betroffenen wie auch die älteren alleinlebenden, wieder das Miteinander von Mensch zu Mensch durch die Impfung geschützt wahrzunehmen, dies gilt auch ganz besonders für das Zusammensein in den MS-Gruppen.

aktiv!: Welche Fragen werden Ihnen in den Arzt-Sprechstunden häufig gestellt?

Prof. Haas: Neu diagnostizierte MS-Erkrankte sind häufig im Zweifel, ob sie eine Immuntherapie beginnen sollen. Hier gilt heute die Erkenntnis aus vielen Studien, dass ein Beginn nach Diagnosestellung die größten Chancen bietet, Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf zu nehmen. Aktuell werden auch viele Fragen zum COVID-19- Risiko und zur Impfung gestellt.

aktiv!: Welche Botschaft möchten Sie MS-Erkrankten und ihren Familien zum Welt-MS-Tag mit auf den Weg geben?

Prof. Haas: Der medizinische und gesellschaftliche Fortschritt wird weiterhin das Leben der MS Erkrankten und Ihrer Familien verbessern. Die DMSG vertritt kontinuierlich die Interessen der MS-Erkrankten in Deutschland. Bleiben Sie zuversichtlich und unterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Mitgliedschaft!

 

 

 

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Die DMSG-Vorsitzende Prof. Dr. med. Judith Haas im Interview mit dem ZDF heute -Journal am Welt-MS-Tag. Bild: ZDF
Bild: ZDF