close
close
Interesse an einer Probemitgliedschaft?
Kostenfreie Probemitgliedschaft beantragen
Therapie & Forschung

Medizinische Fußpflege (Podologie) bei MS – auch weiterhin nur für wenige möglich!

Bisher war eine podologische Behandlung (medizinische Fußpflege) zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen nur bei Diabetischem Fußsyndrom möglich. Seit Mitte dieses Jahres können weitere Diagnosegruppen, wie Neuropathien (NF) und Folgen von Querschnittssyndromen (QF) von einer Verordnung profitieren. Welche Bedeutung hat das für die Versorgung von MS-Erkrankten?

Kommt es aufgrund von Neuropathien oder einem Querschnittsyndrom des Rückenmarks zur krankhaften Schädigung mit potenziell unumkehrbaren Folgeschäden am Fuß, kann nun vom behandelnden Arzt (Hausarzt, Neurologe, Dermatologe usw.) Podologie als Heilmittel verordnet werden. Damit sollen Schädigungen der Haut und der Zehennägel bei Gefühls- oder Durchblutungsstörungen der Füße vermieden werden. Jedoch darf die Schädigung am Fuß nicht so schwer sein, dass sie ärztlich behandelt werden muss – etwa, wenn bereits eine Wunde entstanden ist oder der Zehennagel so weit eingewachsen ist, dass sich neues, entzündetes Gewebe (Granulationsgewebe), das nässt und eitert, gebildet hat.

Profitieren MS-Erkrankte von den neuen Diagnosegruppen?

Neuropathien treten gelegentlich zusätzlich zu einer MS auf (etwa bei zusätzlichem Diabetes mellitus/Zuckerkrankheit), sind aber meist kein eigenes MS-Symptom. Kommt es bei einem MS-Erkrankten zu einer Neuropathie so ist diese in der Regel durch eine unabhängige Begleiterkrankung hervorgerufen. Neurologen sprechen auch von „Polyneuropathie“, weil meist viele Nerven  betroffen sind („poly“  ist das griechische Wort für „viel“). Neuropathien äußern sich u.a. durch Missempfindungen, Taubheit oder sogar chronischen Schmerzen, also ähnlichen Symptomen, die auch bei MS auftreten können. Neuropathien basieren jedoch anders als bei der MS auf Schäden im peripheren Nervensystem, sprich den Nervenfasern, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für Polyneuropathien, die Zuckerkrankheit ist die häufigste. Aber auch übermäßiger Alkoholkonsum, Vitaminmangel, Entzündungen der peripheren Nerven oder auch genetische Erkrankungen können Ursachen für Polyneuropathien sein.

Die Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems (also von Gehirn und Rückenmark). Unter einem Querschnittsyndrom versteht man eine lokale Schädigung des Rückenmarks unterschiedlicher Ursache. Bei der MS oder der Neuromyelitis optica kann dies beispielweise durch eine Entzündung (Myelitis) hervorgerufen werden. Erfahrungen zeigen aber, dass ein Querschnittsyndrom als Komplikation der MS eher selten auftritt. Die Indikation die vom gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) genannt wird lautet: „Krankhafte Schädigung am Fuß als Folge eines Querschnittsyndromes (komplett oder inkomplett) z.B. bei […] chronischer Myelitis“.

Fazit: Es wird nur vereinzelt auf Basis der MS-Erkrankung zur Verordnung von medizinischer Fußpflege kommen können.

Der Weg zur Verordnung und podologischen Behandlung in der Diagnosegruppe NF und QF

Vor der erstmaligen Verordnung erfolgt eine Eingangsdiagnostik, um insbesondere dermatologische, neurologische, aber auch die Blutgefäße, die Muskulatur und das Skelett betreffende Befunde zu erheben. Darüber hinaus muss eine unabhängige Schädigung (z.B. Hauttrockenheit, verändertes Haarwachstum, Verfärbung der Haut, Bildung von Geschwüren) vorliegen. Besonders wichtig ist, dass die sensible oder sensomotorische Neuropathie neurologisch gesichert diagnostiziert ist, da es sonst bei Folgeverordnungen zu Problemen kommen kann.

Verordnet werden kann je nach individueller Situation die Hornhautabtragung und/oder die Nagelbearbeitung. Auf dem Rezept steht dann grundsätzlich zu Ihrer Grunderkrankung das Kürzel NF (Fußsyndrom bei Neuropathien) oder QF (Fußsyndrom bei Querschnittsyndrom).

Eine MS ist eine chronische Erkrankung, wenn dabei ein Querschnittssyndrom mit den entsprechenden Folgeschäden auftritt und damit die Indikation zu einer podologischen Behandlung zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen besteht, ist es wahrscheinlich sinnvoll, dass der Arzt auf dem Rezept als Diagnose „Chronische Myelitis bei Multipler Sklerose“ vermerkt.

Erst- und Folgeverordnungen können jeweils für bis zu sechs Behandlungen alle vier bis sechs Woche ausgesprochen werden. Vor jeder notwendigen Folgeverordnung muss jeweils ein aktueller Fußbefund erhoben werden.

Beim Podologen selbst erfolgt nicht nur die medizinische Fußpflege, sondern es wird auch die individuell durchführbare Haut- und Fußpflege sowie der Zustand des Schuhwerks und ggfs. der Einlagen besprochen.

Quellen:

Zurück
Der Autor Prof. Dr. med. Dieter Pöhlau, Chefarzt der Neurologischen Abteilung, DRK Kamillus Klinik, Asbach sowie stellvertretender Vorsitzender des DMSG-Bundesverbandes und Mitglied im Ärztlichen Beirat, Vorsitzender des DMSG-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Vorsitzender des Ärztlichen Beirates im DMSG-Landesverband Rheinland-Pfalz. Bild: DMSG Bundesverband e.V.
expand_less