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Therapie & Forschung

DMSG-geförderte Forschungsprojekte zum Thema „Beeinflussbare Risikofaktoren der MS“ auf der DGN

Kalorien und MS: Wie Nahrungsenergie die Funktion entzündungsfördernder Immunzellen reguliert

Der Fokus des Forschungsinteresses der Forschergruppe um Dr. rer. nat. Stefan Jordan von der Charite Berlinliegt darin, herauszufinden wie die Kalorienaufnahme das Immunsystem reguliert, um neue Therapieansätze zur Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen zu finden.Es ist bekannt, dass bestimmte Nahrungsmittel antientzündlich wirken können und somit einen positiven Effekt zur Behandlung chronischer Erkrankungen haben können. Ein grundlegendes Prinzip scheint sich dabei herauszukristallisieren:

  • Kalorienreiche Ernährung ist entzündungsfördernd
  • Kalorienarme Ernährung wirkt entzündungshemmend

In einem Fastenexperiment wurden gesunde normalgewichtige Menschen untersucht.

Das Ergebnis

Fasten reduziert die Anzahl zirkulierender Monozyten. Monozyten sind die ersten Zellen, die auf eine verminderte Kalorienzufuhr reagieren. Sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen ist festzustellen, dass die entzündungsfördernden Monozyten fast vollständig aus der Blutbahn verschwinden. Bei fastenden Mäusen kommt es zu einem späteren Einsetzen der Symptome und insgesamt zeigt sich ein milderer Verlauf. Wie wird dieses veränderte Genexpressionsprofil während des Fastens reguliert? Um dies herauszufinden, haben die Forscher Signalwege untersucht und unter den sechs am stärksten regulierten Signalwegen zwei gefunden, die zelluläre Energie detektieren können: den Sirtuin- und den mTor-Signalweg in Monozyten. In ihrem zweijährigen Forschungsprojekt werden die Forscher auf diesen beiden Signalwegen die Monozyten deaktivieren, die Mäuse danach einem Intervallfasten unterziehen und mit dem Mausmodell der MS induzieren. „Wir wollen mit diesem Projekt nicht nur herausfinden, wie sich das Fasten positiv auf die MS auswirkt, sondern auch schauen, ob sich einer dieser Signalwege für die Entwicklung neuer Medikamente eignet, die nicht die starken Nebenwirkungen derzeitig eingesetzter Entzündungshemmer aufweisen“, erklärt Dr. Jordan.

Kurz erklärt: Monozyten

Monozyten sind die Vorläufer der Makrophagen, die als „Fresszellen“ eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen.

Der Twin-Effekt: Auf den Spuren des Mikrobioms im Darm

PD Dr. med. Lisa Ann Gerdes analysiert Darmbakterien, das intestinale Mikrobiom bei eineiigen Zwillingen mit Diskordanz für MS ist Gegenstand ihres Forschungsprojektes. Welche Rolle spielen Erbfaktoren bei MS? Diese Frage beschäftigt viele MS-Erkrankte und ihre Angehörigen. Auf Grundlage ihrer langjährigen Zwillingsstudien konnte Dr. Gerdes bestätigen, dass das familiäre MS-Risiko mit dem Verwandtschaftsgrad steigt. Besonders hoch, bis zu 25 Prozent, ist das Risiko bei eineiigen Zwillingen, wenn bereits ein Zwilling erkrankt ist. Bei zweieiigen Zwillingen liegt es hingegen nur bei bis zu 5 Prozent. Das zeigt, dass das familiäre Risiko eine Rolle spielt, aber bei weitem nicht zwangsläufig wirksam werden muss.

Auf diesen Ergebnissen baut die von der DMSG geförderte Studie auf. In den letzten Jahren traten bei der Bestimmung der Risikofaktoren vermehrt die Darmbakterien in den Fokus. Die Forscher um Dr. Gerdes hatten Stuhlproben von Zwillingen untersucht, um die Daten näher zu beleuchten. Es zeigte sich, dass der genetische Hintergrund das Mikrobiom viel stärker beeinflusst als die Erkrankung. Bei unbehandelten MS-Erkrankten war ein bestimmtes Bakterium, Akkermansia muciniphilia erhöht. n der DMSG geförderten Studie ist die Zahl der untersuchten Zwillingspaare mit 85 auf fast das Doppelte angestiegen. Mittlerweile sei es möglich, longitudinale Daten zu erheben, da mehr als 40 Paare bereits seit acht Jahren bei der Studie mitwirken, so Dr. Gerdes. Ziel sei es, nachzuweisen, dass auch der jeweils gesunde Zwilling im Hirnwasser Hinweise auf eine subklinische Neuroinflammation aufweist. Diese Subgruppe sei laut Dr. Gerdes interessant, um zu zeigen, dass schon Jahre bevor ein Patient klinische Symptome aufweist, Hinweise auf MS im Mikrobiom zu finden sind. Die Hypothese: Das Mikrobiom spielt als Triggerfaktor eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer MS.

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Dr. rer. nat. Stefan Jordan von der Charite Berlin. Bild: Charité-Universitätsmedizin Berlin
PD Dr. med. Lisa Ann Gerdes vom Institut für Klinische Neuroimmunologie, Uniklinikum München. Bild: Universitätsklinikum München
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