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DMSG aktuell

Plötzlich Corona positiv: Mit Multiple Sklerose an Covid-19 erkrankt

Ausgabe 3/20 - Mehr als 225.000 Menschen haben sich bis Mitte August 2020 in Deutschland mit dem Corona-Virus infiziert. Wie viele MSErkrankte darunter sind, ist nicht bekannt. Doch wie fühlt es sich an, mit dem Corona- Virus infiziert zu sein? Die aktiv! hat eine Betroffene befragt.

Als ihre Tochter mit einer leichten Erkältung aus dem Ski-Urlaub in Österreich heimgekehrt sei, habe sie sich noch keinerlei Gedanken gemacht, erinnert sich Sabine O.

Die typischen Covid-19-Symptome, wie starkes Fieber und Husten, seien bei ihr nicht aufgetreten, sagt die Berlinerin. Allerdings verschlimmerten sich 14 Tage nach der Rückkehr der Tochter in ihr Elternhaus die MS-Symptome ihrer Mutter Sabine. Zumindest dachte sie, die MS sei die Ursache als plötzlich in ihren Beinen Lähmungen auftraten. „Ich hatte Ausfallerscheinungen in den Beinen, konnte nicht sicher stehen oder gehen. Eine Erkältung hatte ich nicht, das Fieber kam erst viel später“, berichtet sie im Interview mit der aktiv!.

Nach einigen Tagen wurde ihr nach dem Essen schlecht. In ihr wuchs das Gefühl: „Irgendetwas ist nicht richtig, irgendetwas kämpft in mir.“ Dann habe sie es mit der Angst zu tun bekommen und die Feuerwehr gerufen. Der schnelle Abfall der Sauerstoffsättigung in ihrem Blut erwies sich als alarmierend. Als sie mit dem Krankentransport im Klinikum ankam, war alles menschenleer. „Vollkommen gespenstisch“, erklärt sie. Sofort wurde ein Corona-Test gemacht. Am nächsten Tag stand der Befund fest: Corona positiv. „Dann hieß es, ich werde in ein anderes Krankenhaus verlegt“, so Sabine O. weiter. Sie habe sofort ihren Mann angerufen und gewarnt: „Ihr bleibt Zuhause!“ In Panik geraten sei sie nie, aber ihr sei immer bewusst gewesen, dass Covid-19 schwer verlaufen kann und sie zur Risikogruppe gehört, erklärt die 58-Jährige.

Fünf Tage lag sie mit einer weiteren Covid- 19-Patientin in einem Vierbettzimmer. Drei Mal am Tag kamen die Krankenschwestern komplett in Schutzkleidung. Der Kontakt zum Personal war auf ein Minimum reduziert, Anfragen und Kontakte mit Ärzten erfolgten per Handy. Besuch durfte nicht empfangen werden. Sie habe Tagebuch geführt, berichtet Sabine O.: „Alle waren ganz unsicher in dieser Zeit, auch die Ärzte. Wir waren wahrscheinlich die ersten Covid-19-Patienten.“

Zuhause ging es in die Isolation. Bei der Entlassung sei sie nicht erneut getestet worden. Erst ihre behandelnde Neurologin hat darauf bestanden, einen Antikörpertest durchzuführen. Ihr Ehemann hat selbst Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen und einen Test gefordert. Das Ergebnis: Auch er war Corona positiv.

Ihr Arbeitgeber, die Finanzverwaltung, habe einen rigorosen Lockdown gefahren, lobt Sabine O.: „Bei uns war Alarmstufe, alles wurde desinfiziert und ein Plan ausgetüftelt, wer, wann im Büro sein darf. Alle mit Vorerkrankungen blieben Zuhause.“

Nach einigen Wochen hatte sie die akute Phase mit Covid-19 überstanden. Die große Erleichterung blieb aber aus. „Im Leben danach“, sagt sie, sei es wie mit dem Virus zuvor. Es sei einfach zu vieles unsicher. Seit Juni arbeitet sie wieder. „Ich war noch etwas angeschlagen, habe online Übungen gemacht und gehe auch wieder zur Physiotherapie. Dadurch kam ich wieder gut in Tritt. Mein Mann merkt bis heute Einschränkungen“, warnt sie davor, die Infektionsrisiken zu unterschätzen: „Man muss sich an alle Vorsichtsmaßnahmen halten und Masken tragen.“

Update Corona-Virus und MS: Mit den Empfehlungen der DMSG immer auf dem Laufenden Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland steigt wieder. Mehr über den Stand der Schutzmaßnahmen erfahren Sie im Update der regelmäßig überprüften Empfehlungen der MS-Experten Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas aus dem Vorstand des Ärztlichen Beirates des DMSG-Bundesverbandes auf www.dmsg.de.

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Sabine O. (links) und ihre Tochter. Bild: privat